Der Qurʾān fordert dazu auf, falsche Aussagen zu meiden. Gerade dort, wo die Wahrheit persönliche Nachteile haben kann, wird Wahrhaftigkeit zu einer konkreten Charakterprüfung.
Frage 13
Ich vermeide es, schlecht über andere zu sprechen, wenn sie nicht anwesend sind.
Quelle: Qurʾān 49:12
„… und führt nicht üble Nachrede übereinander. Möchte denn einer von euch gern das Fleisch seines Bruders, wenn er tot sei, essen? Es wäre euch doch zuwider. …“
Der Qurʾān verwendet eine besonders eindringliche Bildsprache, um vor übler Nachrede zu warnen. Die Frage prüft unser Verhalten gerade dann, wenn sich die betroffene Person nicht verteidigen kann.
Frage 14
Ich vermeide es, durch das Weitertragen von Aussagen Streit oder Misstrauen zu schüren.
Quelle: Qurʾān 68:10–11
„Und gehorche keinem verächtlichen Schwörer,
Stichler und Verbreiter von Verleumdungen,“
Die Verse nennen das Verbreiten von Verleumdungen ausdrücklich als verwerfliches Verhalten. Für die Muḥāsabah bedeutet das, vor dem Weitertragen einer Aussage zu prüfen, ob sie einen guten Zweck erfüllt oder Beziehungen zusätzlich beschädigt.
Frage 15
Ich achte darauf, andere mit meinen Worten nicht unnötig zu verletzen oder herabzusetzen.
Quelle: Qurʾān 17:53
„… Und sag Meinen Dienern, sie sollen das, was am besten ist, sagen. …“
Der Vers lenkt die Aufmerksamkeit nicht nur darauf, was gesagt wird, sondern auf eine möglichst gute Weise des Sprechens. Die Frage prüft deshalb auch Tonfall und Ausdruck, nicht nur den sachlichen Inhalt.
Frage 16
Ich vermeide es, mich über andere lustig zu machen oder sie bloßzustellen.
Quelle: Qurʾān 49:11
„… O die ihr glaubt, die einen sollen nicht über die anderen spotten, vielleicht sind eben diese besser als sie. …“
Der Vers verbietet Spott ausdrücklich. Auch vermeintlich harmlose Witze verdienen deshalb Prüfung, wenn eine konkrete Person auf ihre Kosten herabgesetzt wird.
Frage 17
Ich behandle meine Eltern mit Respekt, Geduld und Güte.
Quelle: Qurʾān 17:23
„… Und dein Herr hat bestimmt, daß ihr nur Ihm dienen und zu den Eltern gütig sein sollt. …“
Güte gegenüber den Eltern zeigt sich oft in kleinen Alltagssituationen: im Tonfall, in Geduld, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft.
Frage 18
Ich handle in Geschäften und Absprachen ehrlich und fair und achte dabei die Rechte anderer.
Quelle: Qurʾān 4:29 + Qurʾān 5:1
„… O die ihr glaubt, zehrt nicht euren Besitz untereinander auf nichtige Weise auf, es sei denn, daß es sich um einen Handel in gegenseitigem Einvernehmen handelt. …“
„… O die ihr glaubt, haltet die Abmachungen! …“
Die beiden Verse decken zwei Seiten der Frage ab: fairen Umgang mit Besitz und Handel sowie die Verbindlichkeit von Abmachungen. Ehrlichkeit bedeutet hier, Vorteile nicht auf Kosten der Rechte anderer zu suchen.
Frage 19
Ich behandle Menschen fair, auch wenn ich ihnen gegenüber Abneigung empfinde oder mit ihnen im Konflikt stehe.
Quelle: Qurʾān 5:8
„… Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher. …“
Persönliche Abneigung darf die Beurteilung eines Menschen oder einer Sache nicht automatisch verzerren. Gerade Konflikte machen Gerechtigkeit zu einer echten Muḥāsabah-Frage.
Frage 20
Ich gehe verantwortungsvoll mit dem Vertrauen anderer und mit dem um, was mir anvertraut wurde.
Quelle: Qurʾān 4:58
„… Allah befiehlt euch, anvertraute Güter ihren Eigentümern (wieder) auszuhändigen …“
Anvertrautes ist mit Verantwortung verbunden. Die Frage kann sich auf Gegenstände, Geld, Informationen oder andere Verantwortungen beziehen, die jemand in unsere Hände gelegt hat.
Frage 21
Ich bemühe mich, bei Konflikten zu Frieden und Verständigung beizutragen.
Quelle: Qurʾān 4:114
„Nichts Gutes ist in vielen ihrer vertraulichen Gespräche, außer derer, die Almosen, Rechtes oder Aussöhnung unter den Menschen befehlen. Und wer dies im Trachten nach Allahs Zufriedenheit tut, dem werden Wir großartigen Lohn geben.“
Der Vers nennt Aussöhnung unter Menschen ausdrücklich als etwas Gutes. Die Reflexionsfrage prüft daher, ob unser Beitrag in Konflikten tatsächlich beruhigt und klärt oder zusätzliche Fronten schafft.
Frage 22
Ich begegne anderen mit Demut und Respekt, unabhängig von meiner eigenen Stellung.
Quelle: Qurʾān 31:18
„Und zeige den Menschen nicht geringschätzig die Wange und gehe nicht übermütig auf der Erde einher, denn Allah liebt niemanden, der eingebildet und prahlerisch ist.“
Überheblichkeit zeigt sich nicht nur im offenen Prahlen. Auch Ton, Blick und Verhalten gegenüber Menschen mit weniger Einfluss können Teil dieser Muḥāsabah sein.
Frage 23
Ich vermeide unbegründete negative Vermutungen über andere.
Quelle: Qurʾān 49:12
„… O die ihr glaubt, meidet viel von den Mutmaßungen; gewiß, manche Mutmaßung ist Sünde. …“
Nicht jede Vermutung ist automatisch wahr. Die Frage prüft, ob negative Annahmen über andere auf tatsächlichen Gründen beruhen oder vor allem aus eigenen Interpretationen entstehen.
Qurʾān-Belege werden mit Sure und Vers angegeben. Deutsche, englische und türkische Belege verwenden die dokumentierten Ausgaben; gekennzeichnete Auszüge können Auslassungen enthalten. In den elf weiteren Sprachfassungen stehen arabische Originalverse neben lokalisierten Erklärungen. Redaktionelle Fragen und Tipps sind keine wörtlichen Zitate.
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